THE NEON DEMON (2016)

Sureall-melancholischer Neonlicht-Egotrip

Was hat sich Regisseur Nicolas Winding Refn bloß bei THE NEON DEMON gedacht? Bildgewaltig-atmosphärisch erzählt er eine belanglose, lückenhafte Story mit Stereotypen, die gute Ideen aufweist und die große Provokation herbeiruft. Das Ergebnis ist ein Film, der sich selbst mehr liebt, als die Geschichte, die er zu erzählen wünscht.

INHALT:
Jesse (Elle Fanning), ein aufgewecktes, wenn auch etwas naives 16-jähriges Provinzmädchen kommt in die große Stadt und träumt von einer Karriere als Model. Dort angekommen wird sie aufgrund ihrer Schönheit und unbeschreiblichen Aura von Agenturen wie Modekünstlern dankend angenommen. Doch sie lernt auch, dass der Beruf Schattenseiten hat und mehr Schein als Sein ist. Um in diesem herzlosen Business, in dem der Körper zur Sache degradiert wird und das Model zur leeren Hülle für Kameraopjektive verkommt, zu bestehen, sucht Jesse den Schutz bei der Make Up Artistin Roberta Hoffman (Christina Hendricks).

Zwischen Partyleben und kaltem Berufsalltag wird Jesses Leben zu einem hypnotischen Dasein, von dem sie sich zunächst nur scheu berauschen lässt. Doch mit dem Zuspruch wächst auch ihr Selbstbewusstsein – und der Neid ihrer Mitstreiterinnen. Wie hart, wie dunkle und brutal die Branche ist, begreift Jesse erst in dem Moment, in dem alles zu spät ist…

FAZIT:
Regisseur Nicolas Winding Refn macht es schon wieder: er konstruiert in THE NEON DEMON einen hypnotischen Rauschzustand aus Neonlicht-Geflacker und basslastigen Elektrobeats in einer meist nächtlichen Großstadt. Was in DRIVE (2009) noch für einen Lobgesang auf diesen erstklassigen und unverwechselbaren Filmstil führte, brach bereits in [p2p type=“slug“ value=“only-god-forgives-2013″]ONLY GOD FORGIVES[/p2p] (2013) ein. Man merkte, dass Refyn es zwar verstand, Bild und Ton in einem atmosphärischen Einklang zu bringen, aber das Erzählen der Geschichte nicht zu seinen Stärken gehörte.

In THE NEON DEMON bestätigt sich dieses Schwäche in aller Härte: Refn schafft keine Charaktere, sondern emotionale Momente. Daraus folgt, dass die Charaktere so unausgereift sind, wie das Bild berauschend ist. Die Figuren stehen damit in einem gegen-proportionalen Verhältnis zur optischen Inszenierung. Der Zuschauer bekommt Stereotypen in Reinkultur serviert. Es sind leere Blaupausen, schemenhafte Umrisse für Figuren, die etwas hätten seinen können, aber nicht durften, weil sonst der Blick auf die Geschichte und nicht dessen Optik gefallen wäre.

Motive, Absichten, ja selbst kleinste Hintergründe, die den Figuren Leben einhauchen würden, werden vollends ignoriert. Sogar die Haupt- und Nebenfiguren bleiben diffus und oberflächlich. Man erfährt nichts, nichts das ihre Taten rechtfertigen oder wenigstens erklären können.

Ob diese Oberflächlichkeit wirklich eine weitere Metapher für die Modebranche darstellen soll? Wohl kaum. Denn auch die Geschichte selbst bleibt unausgereift, lässt den Zuschauer mit gleich mehreren Haarsprayfüllungen Fragen zurück. Ein Mädchen – Elle Fanning ([p2p type=“slug“ value=“bd-kritik-maleficent-2014″]MALEFICENT[/p2p]; 2014) spielt abwesend, aber überzeugend – will Model werden und hat wohl auch das Zeug dazu. Sie trifft auf Menschen, die sich von einem Business haben vereinnahmen lassen. War das schon die ganze Kritik? Wohin möchte die Geschichte mit uns? Auf der kritischen Ebene bietet Refn zwar gute Ansätze, die Modewelt in ihren Grundfest zu unterwandern und bloßzustellen. Doch sein lyrischer Ansatz greift nicht genug, vermeidet gar eine direkte Konfrontation mit den präsenten Kritikpunkten an der Modewelt.

Zwar sind Essstörung und die Reduzierung auf den Körper inhaltlich wichtige Motive, die weiter auf dem Filmaffe